FRANZISKA LEBRUN - DANZI OEUVRE II - SONATA I - ALLEGRO & RONDO; ALLEGRO GRAZIOSO


Brün, (Franziska Le), die Tochter des Violonzellisten Danzi zu Mannheim und Schwester des Königl. Würtembergischen Kapellmeisters Franz Danzi, wurde 1759 zu Mannheim geboren. Sie widmete sich der Singkunst, und sang als ein Mädchen von 14 Jahren zum ersten Male im Hofkonzerte in ihrer Vaterstadt. Schon damals war sie die Bewunderung des Churfürstens, und ihres Vaterlandes, und bald darauf auch von ganz Deutschland, Frankreich, Italien und Engeland. Ihre schöne, volle Bruststimme überstieg das drei gestrichene, oder höchste F auf den Klavier-Instrumenten um einen Terz, und alle diese Töne waren gleich stark und angenehm. Es läßt sich keine Vollkommenheit einer Sängerinn fast mehr denken, die ihr nicht eigen war, und ebendaher wetteiferten die schönen Geister Italiens, Engelands und Frankreichs ihre Vorzüge als Sängerinn und Schauspielerinn zu bewundern und in ganz Europa zu verbreiten. Ueberall ließ man ihrer Kunst die verdiente Gerechtigkeit wiederfahren, überall ward sie bewundert, geschätzt, geliebt, und sehr hoch geachtet, einer Todi und Mara wurde sie wenigst gleichgestellt, wo nicht vorgezogen. Im J. 1778 trat sie zu Mailand, nachdem sie ehevor schon in mehrern großen italienischen Opern zu Mannheim mit allem Beifalle gespielt und gesungen hatte, mit den Reitzen und Blüthe der Jugend in der Oper: Europa recognoscitua, mit Musik vom Salieri auf, erwarb sich große Ehre, und ungetheiltes Lob mit sichtbarem Neide und Aerger der dortigen Prima Donna Balducci; mit gleich großem Ruhme sang sie 1781 und 1783 als Prima Donna zu London, dann in der Folge zu Venedig, Neapel u. s. w. und überall ragte sie als eine Deutsche unter den italienischen Sängerinen weit hervor, übertraf sie alle. Die letzten Opern, in der sie zu München sang, waren: Armida, mit Musik von Prati und Castore e Polluce, mit Musik von Vogler. Als sie ihren Gatten den 16. Dezember 1790 in Berlin verlor, war sie untröstlich. Sie erkrankte, und starb, vom stillem Gram verzehrt, daselbst den 14. Mai 1791, zu frühe für die Kunst; ihre Familie, und alle die, so sie kannten, bedauert von jedermann, beweint von ihren Freunden.
Ihre 1783 zu Offenbach im Stiche heraus gegebenen drei Klavier-Sonaten, mit Begleitung einer Violine, entsprechen ganz der Erwartung von ihrem Geschmacke, und zeigen zugleich, welch’ vortreffliche Meisterinn sie auch im Klavierspielen gewesen seye. Ihr Leben war ein Gesang; ihr Tod, die Auflösung einer Harmonie.
Franziska Lebrun geb. Danzi wurde in Mannheim geboren und am 24. März 1756 getauft. Ihre Eltern waren der Cellist Innozenz Danzi und seine Frau Barbara, eine Schwester Carl Joseph Toeschis; der Komponist und Cellist Franz Danzi (1763-1826) war ihr Bruder. Franziska Lebrun erlebte in ihrer Jugend ein reiches musikalisches und kulturelles Leben, das sie prägte und förderte. Als Sopranistin trat sie zum ersten Mal in Saccinis La contadina in corte im Mannheimer kurfürstlichen Theater auf. Dies bildete den Auftakt zu einer glanzvollen Karriere. Nachdem Franziska Danzi bereits im Herbst 1777 für ein Jahr nach London reisen durfte, wo sie in vier opere serie die Hauptrolle am königlichen Theater sang, setzte sie auch nach ihrer Heirat im Sommer 1778 mit Ludwig August Lebrun (1752-1790), dem Oboenvirtuosen der Mannheimer Hofkapelle, ihre Karriere fort. Beide unternahmen ausgedehnte Konzertreisen. Von November 1779 an lebten sie für zwei Opernsaisons in London, wo Charles Burney die beiden hörte und in höchsten Tönen lobte. Hier veröffentlichte Franziska Lebrun auch ihre zwölf Sonaten für Cembalo/ Pianoforte und Violine, op. 1 und op. 2. Auch nach dem Umzug der kurpfälzischen Hofmusik nach München setzten die Lebruns ihre Konzertreisen fort, die sie nach Wien, Verona, Neapel und Berlin führten, wo Ludwig August Lebrun während des zweiten Gastspiels 1790 überraschend verstarb. Franziska Lebrun sang danach nur noch in zwei Aufführungen, bevor sie an zunehmender Entkräftung am 14. Mai 1791 in Berlin starb.
Musikalisches Umfeld
Hineingeboren in eine Musikerfamilie aus dem Kreis der Mannheimer Hofmusiker lebte Franziska in der Stadt Mannheim zu einer Zeit, da das Musikleben hier seine große Blüte erlebte. Kurfürst Carl Theodor (1724- 1799) förderte Kunst, Wissenschaften und Musik. So wurde 1742 das Mannheimer Hoftheater eröffnet, 1758 gründete er eine Kunstakademie und 1763 eine Akademie der Wissenschaften. 1775 entstand die Deutsche Gesellschaft zur Förderung der Deutschen Sprache. 1778 wurde das Mannheimer Nationaltheater gegründet. Mittelpunkt der höfischen Mu- sikpflege war die Hofoper, die auf Grund ihrer hohen Qualität und Vielfältigkeit großes Ansehen genoss. Sie stand von 1753-1778 unter der Leitung Ignaz Holzbauers. Jeweils im November begannen die Opernaufführungen. Neben den italienischen Opera seria der Saison gab es in der Karnevalszeit auch französische Theaterstücke, Ballette, Musikakademien und Maskenbälle. Nach einer Pause während der Fastenzeit wurden die Opern nach Ostern wieder aufgenommen. Im Sommer spielte das Ensemble im Schlosstheater in Schwetzingen. Charles Burney schrieb 1773 über seinen Besuch in Schwetzingen:
„Einem jeden, der des Sommers durch die Gassen von Schwetzingen geht, muß es gänzlich von einer Kolonie von Musikanten bewohnt zu sein scheinen, die ihre Profession beständig ausüben; da in einem Hause hört er einen schönen Geiger, dort in einem andern eine Flöte, hier einen vortrefflichen Oboisten, dort einen Basson, eine Klarinett, ein Violoncell oder ein Konzert von allerlei Instrumenten zugleich - Musik scheint Seiner Kurfürstlichen Durchlaucht liebster und beständigster Zeitvertreib zu sein; und die Opern und Konzerte, wozu alle seine Untertanen Zutritt haben, bilden durchs ganze Kurfürstentum den musikalischen Geschmack.” [Ch. Burney: Tagebuch, 228f.]
Das Glanzstück aber war das Mannheimer Hoforchester, das zum Zeitpunkt des Umzugs des Hofes nach München (1778) bereits in ganz Europa für seine Präzision, das exakte Zusammenspiel und eine expressive, aufrührende Dynamik, aber auch für die technische Virtuosität und Disziplin der Orchestermitglieder berühmt war. In diesem Orchester war Innozenz Danzi als Cellist beschäftigt. Seine Frau Barbara war die Schwester Carl Joseph Toeschis, des Konzertmeisters in der französischen und deutschen Oper, während die italienische Oper von Christian Cannabich geführt wurde.
Franziska Lebrun Musikalische Ausbildung
Wie ihrem Bruder wurde Franziska eine offensichtlich hervorragende musikalische Ausbildung zuteil. So erhielt Franz Danzi bei seinem Vater Unterricht auf dem Violoncello, dem Clavier, im Gesang, und vermutlich ab 1775 Kompositionsunterricht bei Georg Joseph Vogler. Für Franziska war dagegen, wie für talentierte Töchter aus Musikerfamilien üblich, die Sängerinnen-Laufbahn vorgesehen. Einzelheiten über Franziskas Unterricht sind nicht bekannt. Sie wurde wohl anfänglich von ihrem Vater, später auch vom jüngeren Bruder in Gesang und im Clavierspiel (und im Komponieren?) ausgebildet und entwickelte sich zu einer der bemerkenswertesten Sängerinnen ihrer Zeit, die bereits zu Lebzeiten in einem Atemzuge mit Luisa Todi oder Gertrud Elisabeth Mara genannt wurde.
Gesangskarriere
Ihr Debüt als Sängerin gab Franziska im Juni 1772 als Sandrina in der komischen Oper La contadina in corte von Antonio Sacchini im Mannheimer Kurfürstlichen Theater. Dies bildete den Auftakt zu einer glanzvollen Karriere. Hier hörte Charles Burney sie am 9. August 1772. Er nannte sie zusammen mit Elisabeth Augusta Wendling und Madame Cramer unter den drei vorzüglichsten Sängerinnen der Kapelle und schrieb dazu:
„Signora Francesca Danzi, [ist] ein deutsches Frauenzimmer, deren Stimme und Singart brillant sind, sie hat dabei einen artigen Wuchs, einen guten Triller und einen Vortrag, der so wahr italienisch ist, als ob sie ihr ganzes Leben in Italien zugebracht hätte. Kurz, sie ist schon eine sehr angenehme Sängerin und verspricht noch weit mehr, denn sie ist jung und diesen Sommer zum 1. Male aufs Theater gekommen.”[Ebd., 225]
Es folgte ein rasanter Aufstieg. Im August 1772 trat Franziska als Rosina in L'Amore artigiano von Leopold Gassmann auf, im November desselben Jahres als Olivetta in Le finte gemelle von Niccolò Piccinni und in La fiera di Venezia von Antonio Salieri. Zu diesem Zeitpunkt wurde sie bereits als „virtuosa da camera" bezeichnet. Schubart, der wenige Monate nach Burney Mannheim besuchte, bezeichnete sie schon als „erste Sängerinn des Churfürsten" [Chr. Fr. D. Schubart: Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst, 143].
„Unter allen bis jetzt lebenden Sängerinnen brachte noch keine ihre Stimme zu der bewundernswürdigen Höhe, als sie; denn sie erreichte mit derselben das drey- gestrichene a, und zwar nicht mit stumpfer Intonierung, sondern mit Klarheit und Deutlichkeit. Die Coloraturen, sie mögen so schwer seyn als sie wollen, bringt sie mit vieler Richtigkeit heraus; nur ist in rührenden und gefühlvollen Arien ihr Ton nicht dick genug. Sie scheint mehr zu glänzen, als das Herz treffen zu wollen, auch scheint ihr Geist mehr Neigung zum komischen als zum tragischen Vortrage zu haben.”[Ebd]
Bei Gustav Schilling heißt es:
„Schon 1772 verdunkelte sie alle anderen Heroen der damaligen Mannheimer Oper; auch kein Gast konnte neben ihr zur vollen Gunst des Publikums gelangen.”[G. Schilling: Encyclopädie, 337]
Und das Baierische Musik-Lexikon lobt:
„Ihre schöne, volle Bruststimme überstieg das drei gestrichene, oder höchste F auf den Klavier-Instrumenten um einen Terz, und alle diese Töne waren gleich stark und angenehm. Es laßt sich keine Vollkommenheit einer Sangerinn fast mehr denken, die ihr nicht eigen war, und ebendaher wetteiferten die schönen Geister Italiens, Engelands und Frankreichs ihre Vorzüge als Sängerinn und Schauspielerinn zu bewundern und in ganz Europa zu verbreiten.”[F. J. Lipowsky: Baierisches Musik-Lexikon, 40.]
1773 übernahm sie die Rolle der Parthenia in Alceste von Anton Schweitzer, der auch den Titelpart seiner Rosamunde für sie schrieb. Im Juni 1775 sang Franziska in L'Arcadia conservata (Komponist unbekannt), 1776 in Zemira e Azor und in La festa della rosa, beide von André Ernest Modeste Grétry, sowie in Il finto spettro von Giovanni Paisiello. Ebenfalls für ihre Stimme geschrieben war die bereits erwähnte Partie der Pfalzgräfin Anna in Ignaz Holzbauers Oper Günther von Schwarzburg nach einem Text von Anton von Klein, in der sie wahre Triumphe feierte. Besonders hervorgehoben wurde immer wieder die Arie „Ihr Rosenstunden", die dank Franziskas Gesangskunst zu einer der beliebtesten und bekanntesten Arien der Oper wurde.
Philipp Jakob Moureaux schreibt über die Uraufführung am 5. Januar 1777:
„(..) M" Danzÿ. - eine sängerin, deren sie wenige finden werden.
mit einer silberstimme, wie man
sie in Elisium nicht schöner hören kann
wenn Zeus im hohen olimp erwachte,
und, wie es ehmals mode war,
Von jahr zu jahr,
durch seine welt noch eine Reiße machte,
wenn er zum wenigsten
aus unseren zeitungen
Von dieser großen oper gehöret hätte,
und dan die Danzÿ kennte, ich wette,
er machte noch heute mit dem Merkur
nach Mannheim incognito eine tour.
O Mein wehrtester freund könten sie Holzbauers arien hören, Kunst und Natur sind darin im höchsten grade Vereinbaret. - Den großen Raaf den kennen sie schon; H' Fischer, ein Vortreflicher Baßist und der H' Hartig. ein Duett Von Danzÿ und Hartig. o! das solten sie hören.[Philipp Jakob Moureaux, Brief vom 8.3.1777, zitiert nach: Quellen zur Musikgeschichte in Baden-Württemberg, Band 1, hg. von Manfred Hermann Schmid: Ignaz Holzbauer, Günther von Schwarzburg (Bärbel Pelker), München 2000. Freundlicher Hinweis von Dr. Rüdiger Thomsen-Fürst, Heidelberg.]
Das Mitwirken des Tenors Anton Raaff und Franziska Danzis war sicher mit ausschlaggebend für den Erfolg der Holzbauerschen Oper. Noch 1793, zwei Jahre nach ihrem Tod, erinnerte sich Anton Edler von Klein an die „Rosenstunden-Arie" und veröffentlichte ein Gedicht an Franziska Danzi, das so oder leicht abgeändert selbst 1809 noch erschien:
„An Mlle. D., - da sie als Anna in der Oper: G. v. Schw.
Die Arie: Ihr Rosenstunden, sang.
Du riefst der Liebe Rosenstunden
mit süsser Stimm' und mächtigem Gefühl zurück:
wir fühlten sie, die dir verschwunden,
durch deine Stimme, sahen sie in deinem Blick.”
[Gedichte von Anton Edler von Klein, Frankfurt u. Leipzig 1793, Schriften der kurfürstlichen deutschen Gesellschaft in Mannheim, Bd. 8, 24. So oder leicht abgeändert auch im Musenal- manach von A. E. v. Klein, Mannheim u. Leipzig, 1793, 24 und in: Dramaturgische Schriften von Ritter von Klein, Frankfurt u. Leipzig 1809, 298.]
Wie sehr die Rolle der Pfalzgräfin auf Franziska Danzi zugeschnitten war, zeigen die Schwierigkeiten, die auftraten, als die Partie, die mehr- fach bis zum dreigestrichenen f geführt ist, umbesetzt werden musste. Kurfürst Carl Theodor hatte nämlich Franziska im August erlaubt, ein Engagement für die nächste Spielzeit in London anzunehmen. Elisabeth Wendling übernahm die Partie und Wolfgang Amadeus Mozart schildert seine Eindrücke aus der Aufführung vom 5. November in einem Brief vom 14.11.1777 an seinen Vater in Salzburg wie folgt:
(...) “Die Prima donna war die Mad: Elisabetha Wendling, nicht die flutraversisten frau, sondern des geigers. sie ist immer kränklich, und zu demm war auch die opera Nicht für sie, sondern für eine gewisse Danzi geschrieben die iezt in England ist; folglich nicht für ihre stimme, sondern zu hoch”.[Wolfgang Amadeus Mozart: Briefe und Aufzeichnungen, Bd. 2, hg. von W. Bauer und O. E. Deutsch, Kassel 1962].
Zuvor jedoch, zwischen dem 19. März und dem 8. Mai 1777 sang Franziska mehrere Male im Concert Spirituel in Paris, zumeist italienische Arien und viermal mit Oboenbegleitung Ludwig August Lebruns. Das Journal de Paris vom 22. März 1777 lobt ihr „talent supérieur, une figure interessante et beaucoup de modestie"
Ihr Gehalt, das 1776 noch 400 Gulden betragen hatte, belief sich 1778 bereits auf 1.000 Gulden (das Ludwig August Lebruns, ihres Mannes, auf 900 Gulden). [Besoldungsliste der Hofmusiker und -musikerinnen, die 1778 mit dem Hof nach München gingen, Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, HRI Fasc. 457/13].
Schon ehe der Mannheimer Hof nach München umzog, hatte Franziska also das Gehalt einer Primadonna, das sich bis 1782 auf 1.500 Gulden erhöhen sollte. Dies stellte eine durchaus über- durchschnittliche Bezahlung dar.
Im Theater-Kalender von Gotha aus dem Jahr 1777 heißt es: „Mamsell Danzy (...) ist die bewunderungswürdigste Sängerin, die jemals gehört worden. Noch nie wurde eine Stimme auf diese Höhe, mit so vieler Annehmlichkeit und so wenig Zwang gebracht. Man behauptet, daß noch keine Sängerin diesen Grad von Vollkommenheit erreicht habe. Mit Erlaubniß des Hofs, wird sie 1777 eine Reise nach England thun. [Gothaer Theater-Kalender auf das Jahr 1777, 249.]
Hier in London trat Franziska mit größtem Erfolg am King's Theatre am Haymarket auf, wo sie vier erste Seriapartien sang. Nach ihrem Debüt am 8. November in Antonio Saccinis Cresco erntete sie höchstes Lob für ihren Auftritt in Johann Christian Bachs La Clemenza di Scipione im April 1778, gemeinsam mit ihren Mannheimer Kollegen Wilhelm Cramer, Carl Stamitz und Ludwig August Lebrun.
„Madame Lebrun war in den Jahren von 1778 an bis 1791 die Bewunderung von ziemlich ganz Europa. Alle Reize der Natur und Kunst schienen an ihr verschwendet, und während das für schöne Formen auf der Bühne empfängliche Auge sich an ihrem Spiele u. ihrer ganzen graziösen Haltung nicht satt sehen, konnte der für das Edelste und Schönste in der Kunst gestimmte Sinn und das Ohr des musikalisch Gebildeten nicht ermüdet werden durch ihre vollendete Leistung.” [G. Schilling: a.a.O., 337].

Am 3. August 1778 [Laut Eva Zöllner (“A Force, a Precision and Attention very rarely to be found." Mannheimer Musiker im London des späten 18. Jahrhunderts, in: Mannheim - Ein Paradies der Tonkünstler?, Kongressbericht Mannheim 1999, hg. von Ludwig Finscher, Bärbel Pelker, Rüdiger Thomsen-Fürst, Frankfurt/Main 2002, 62) vor dem 30. Mai, da Franziska von diesem Tage an immer als Mme Lebrun, geborene Danzi angekündigt wurde.] sang Franziska die Hauptrolle bei der Eröffnung des Teatro alla Scala in Mailand in Antonio Salieris Oper Europa riconosciuta (wobei sie sich wegen ihres Erfolges wohl den Neid der dortigen Primadonna Balducci zuzog) und anschließend in Opern von Michele Mortellari, Felice Alessandri und Pasquale Anfossi. Inzwischen hatte sich Franziska Danzi im Sommer 1778 mit Ludwig August Lebrun[Auch Le Brun, LeBrun, le Brün, le Brun, le Brün] (1752-1790) verheiratet, dem seit seinem 15. Lebensjahr im Mannheimer Orchester angestellten Musiker. Er war einer der bedeutendsten Oboisten seiner Zeit und als Meister auf seinem Instrument überall bekannt. Auf ihren zahlreichen Konzertreisen durch Europa in den folgenden Jahren wurden die Sopranistin und der Oboist mit Lob überschüttet. „Le Brün gehörte mit seiner Gattinn unter die musikalischen Weltwunder, die überall nicht nur den verdienten allgemeinen Beifall sich erwarben, sondern Staunen, Bewunderung und Entzücken erregten; aber ebendeßwegen buhlten die ersten Höfe von Europa diese Künstler zu hören, zu besitzen”. [F. J. Lipowsky: a.a.O., 38]
In das Jahr 1779 fällt eine weitere Reise nach Paris. Franziska sang dort im Concert Spirituel u.a. Arien von Antonio Saccini, Felice Alessandri, Georg Joseph Vogler, Ferdinando Bertoni und Michele Mortellari mit einer, vermutlich von Ludwig August Lebrun gespielten, Oboe im Wettstreit in mehreren konzertanten Sinfonien. Dabei waren der Solostimme geeignete italienische Textsilben unterlegt. Ihre biegsame Stimme konnte sie mühelos der Oboe so annähern, dass beide angeblich schwer auseinander zu halten waren. [Vgl. Th. Busby] So wetteiferte sie mit ihrem Mann in Ausdruck, Präzision, Schnelligkeit und kunstvollen Kadenzen, was gebührend bewundert, aber auch kritisch aufgenommen wurde. Es erfolgten mehrere Auftritte zwischen dem 23. März und dem 3. Juni 1779. Ludwig August Lebrun spielte ebenfalls in zahlreichen Aufführungen, meist eigene Oboenkonzerte.
Silhouettes of Ludwig August Lebrun and Franziska Danzi-Lebrun
Vom November 1779 an weilte das Ehepaar Lebrun bis 1781 für zwei Opernsaisons in London, wo Franziska erneut am King's Theatre engagiert war. Wie in Paris musizierten die Lebruns gemeinsam und wie dort wurde das Kunststück mit geteilten Stimmen aufgenommen. So lobte Charles Burney zwar erneut Intonation, Triller, Ausführung, Umfang und Musikkenntnis, bedauerte aber, dass ihr Hauptanliegen sei, das Publikum zu verwundern, dabei vergessend, „dass selbst wenn eine Unze Salz eine Suppe oder ein Ragout wohlschmeckend macht, es aber zwei Unzen verderben [Ch. Burney: A General History of Music, 1789, Baden-Baden 1958, 886] , denn, so Busby, „Die Stimme der Mme. Le Brün neigte sich von Natur zum Hellen und Lieblichen; aber ein falscher Geschmack, oder eine affektierte Vorliebe verleitete sie, den Ton der Hoboe ihres Mannes so nachzuahmen, daß es schwer war, die Töne derselben von den ihrigen zu unterscheiden. [Th. Busby: Allgemeine Geschichte der Musik, 404]

Franziska Dorothea Lebrun - Thomas Gainsborough (1780)
1780 malte Thomas Gainsborough ihr Portrait und stellte es in der Royal Academy aus. Das Gemälde befindet sich heute als Geschenk von Gladys Penfold Hyland in der Art Gallery of South Australia, Adelaide. Bereits um 1778 wurde ein weiteres erhaltenes Bildnis angefertigt: Der Stuttgarter Theologe Stierlin ließ in dieser Zeit die wichtigsten Mitglieder der Mannheimer Hofkapelle abbilden. In der Sammlung von Schattenrissen, die sich heute im Museum für Hamburgische Geschichte befindet, gibt es auch die Silhouetten Franziska und Ludwig August Lebruns.
In London erschienen, vermutlich ebenfalls 1780/81, Franziska Lebruns jeweils sechs Sonaten op.1 und op.2 für Cembalo/Pianoforte und Violine, von denen noch die Rede sein wird Bei der Rückkehr der Lebruns nach München erhöhte sich ihr Jahresgehalt auf jeweils 1500 Gulden. So sei „für jedes dieser Eheleute die Besoldung auf nun 1500 Gulden während ihrer fortleistenden Diensten fortgesetzet, hingegen bei Abnahme des Talents ein- oder andern Theil den tit. le Brun auf sein voriges Gehalt von 900 Gulden und dessen Ehegattin in gleichem Falle auf 1000 Gulden rückgesetzet welche ihnen auch als eine lebenslängliche Pension belassen werden solln. [Die Hofinusik in genere, Rescript vom 1. Oktober 1782, vgl. auch die Antwort auf die Bittschrift Franziska Lebruns nach dem Tode ihres Mannes.]
Sie ihrerseits mussten sich dafür verpflichten, lebenslang im Kurfürstlichen Dienst zu bleiben. Bei der Annahme auswärtiger Engagements war jeweils der Dienst in München vorrangig, so weit der „Höchstherrschaftliche Dienst ihre gegenwart erforderet”[Ebd] Doch wurde ihnen ein Entgegenkommen, wann immer es möglich sei, zugesagt, was durchaus entsprechend gehandhabt worden zu sein scheint. Bereits am 14. Juli hatte der Münchener Hoftheaterintendant Graf Joseph Anton Seeau festgehalten, dass den Eheleuten eine zweijährige Abwesenheit unter der Voraussetzung erlaubt sei, dass die Hälfte ihrer Gehälter einbehalten und als Gratifikationen an andere Hofmusiker verteilt werden sollten. Dies scheint das übliche Verfahren bei Musikerreisen gewesen zu sein. [Vgl. Bärbel Pelker: Ein „Paradies der Tonkünstler"? Die Mannheimer Hofkapelle des Kurfürsten Carl Theodor, Kongressbericht Mannheim 1999, 22.]
1785 trat Franziska Lebrun dann als Primadonna in München in der Karnevalsoper von Prati auf. Es folgten Reisen nach Wien und Verona. Nach einem kurzen Zwischenaufenthalt in München reiste das Ehepaar Anfang März 1786 für ein Jahr nach Neapel. Franziska sang dort im Teatro S. Carlo, wie auch schon in Mannheim und London, zusammen mit dem Sopranisten Francesco Roncaglia erste Partien: Die Titelrolle in der Oper Olimpia von Alessio Prati, die Epponina in Giuseppe Sartis Giulio Sabino, die Ersilia in der Oper Mesenzio re d'Etruria von Abate Ferd. Casorri und die Palissena in Giovanni Paisiellos Oper Pirro, außerdem in Giuseppe Giordanos Azione sacra La Distrizione di Gerusalemme die Semira.
1787 kehrten die Lebruns für die Karnevalsoper Castor et Polluce von Georg Joseph Vogler, in der auch die spätere Frau Franz Danzis, Margarethe Marchand, debütierte, nach München zurück.
Im Herbst 1789 wurde Franziska durch Johann Friedrich Reichardt als erste Sängerin für den Karneval an des Königliche Opernhaus Berlin verpflichtet.
„Sr. Majestät der König [schickte] in vorigem Monat den Herrn Kapellm. Reichardt nach München, um der Madame Lebrun, die sich hier schon vor sechs Jahren mit vielem Beifall hören ließ, von dem Churfürstl. Hofe die Erlaubniß auszuwirken den nächsten Karneval über in der hiesigen großen Italiänischen Oper die erste Rolle zu singen. Madame Lebrun, ehemalige Danzi, ist auch bereits vor einigen Wochen hier angekommen und hat sich samt ihrem Manne der iezt allgemein für den ersten Virtuosen in der Hautbois anerkannt wird, bereits mehrmalen im Konzerte Sr. Majestät, des Königs mit demselben großen Beifall hören lassen, den beide sich längst in England, Frankreich, Italien und Deutschland allgemein erworben haben. Auf dem Theater wird Madame Lebrun den 4ten Jenner zuerst in der Oper Brenno von Herrn Kapellmeister Reichardt erscheinen.” [Musikalische Real-Zeitung vom 6.1.1790, 7.]

Am 8. Dezember wirkte sie in Reichardts „Tedeum" mit großem Erfolg mit und „in jenem hörte das Publikum zum erstenmale Madame Lebrun, aus München, die auf Befehl Sr. Majestät für das bevorstehende Karneval engagirt worden ist.”[Musikalische Real-Zeitung vom 13.1.1790]


Am 27. Januar hieß es dann, wieder in der Musikalischen Real-Zeitung: „Gestern wurde die Oper Brenno von der Komposition des Königl. Kapellm. Hrn. Reichardt, mit ausserordentlicher Wirkung und allgemeinem Beifall aufgeführt. Sr. Majestät, der König, waren auf dem Parterr zunächst dem Orchester, und bezeigten mehrmalen die höchste Zufriedenheit. Mad. le Brun sang die erste Rolle mit ausnehmendem Interesse und großer Fertigkeit und befriedigte auch von Seiten der Aktion weit mehr als man es von irgend einer Nachfolgerinn der Mad. Todi erwartet hatte. Sie hat sich des Königs und der ganzen Versammlung ausgezeichnetstem Beifall erworben.[Musikalische Real-Zeitung vom 27.1.1790]


Außerdem sang Franziska in Felice Alessandris Oper Il Ritorno d'Ulysse a Penelope die Rolle der Penelope.
Wiederum durch Reichardts Vermittlung erfolgte das Engagement auch für die nächste Saison nach Berlin. Doch dies war, so Gerber „ihre letzte, aber auch schrecklichste Reise" [E. L. Gerber: a.a.O., 534.] Kaum in Berlin angekommen, starb Ludwig August Lebrun am 16. Dezember 1790 laut Gerber [Ebd., und in: Musikalische Monathsschrift, 21.] an einer Leberentzündung. Franziska Lebrun „erholte sich nun zwar in einigen Wochen von diesem Schlage wieder und sang in der Oper Ulysse zur Bewunderung der Zuhörer. Allein plötzlich wurde sie selbst von einer schweren Krankheit darnieder geworfen, von der sie auch nie wieder aufstand.[E. L. Gerber: a.a.O., 534.]
Franziska war wohl zu krank, um die Heimreise auf sich zu nehmen. Anfang Januar richtete sie noch ein Bittgesuch in französischer Sprache an den Kurfürsten,[Aus: Die Hofmusiker in genere, abgebildet bei: Brigitte Höft: Komponisten, Komponistinnen und Virtuosen, in: Finscher 1992, 69. 30] in dem sie um die volle Auszahlung ihres angeblich vom Grafen Seeau zugesagten Gehalts als Erste Sängerin von 2.000 Gulden bat. Mit Bezug auf das Rescript vom 1. Oktober 1782 wurde dies Gesuch abschlägig beschieden. Graf Seeau schrieb am 1. Februar:
„In der von höchsten Amtes mir zugekommenen, und hinneben zurückfolgenden Bittschrift stellet die erste Hofsängerinn Francisca Lebrun das demüthigste Anlangen, daß ihr ein Gehalt von jährlich 2000 f, sohin zu ihrer dermaligen Besoldung ad 1500 f noch eine Zulage von 500 f jährl. gnädigst angegönnet werden möchte.
Das Vorschreiben der Supplicantin, als wären für eine erste kurfrtle. Hofsängerinn jährl. 2000 f gdgst. bestimmet, ist ganz ungegründet. Nach dem neuen gdgst. genehmigten Hofmusik-Status soll eine erste Hofsängerinn nur jährl. 1200 f haben. Auch in vordern Zeiten war eine solche weder allhier, noch in Mannheim (wie letztere falls noch redende Beweise vorhanden sind) jemals über 1200 bis 1500 f besoldet. Engagemens, die manchmal mit auswärtigen Sängern, und Sängerinnen auf eine gewisse Zeit gemacht werden, können hier nicht in Betracht gezogen, noch weniger mit dekretmäßig-ständigen Gehältern verglichen werden.
Das in Abschrift anliegende gdgst. Rescript d.d 1'™ Oktober 1782 vermög welchem einen jeden der Lebrunischen Eheleute 1500 f mildest verliehen worden, enthält auch die höchste Gnade, daß ihr bei Abnahme des Talents, oder Dienstesunvermögenheit jährl. 1000 f als eine lebenslängliche Pension gdgst. belassen werden, annebens doch mit dem Ausdrucke, daß keine weitere Zulage jemals begeht werden soll. Zu folgender Hinsicht wurde auch ihrem Manne und ihr vielfältig auswärtiger Verdienst gestattet, und zugewendet.
In Betreff der Äußerung, welche gaste Hofsängerinn Lebrun wegen Erhaltung der Mutter ihres verstorbenen Mannes macht, habe ich jene Decrets-Abschrift, laut welchem vor 20 Jahren dem Hautboisten Lebrun für sich, und seine verwittibte Mutter 1000 f jährl. gdgst. zugewendet wurden, auch hinneben anschlüßen, und gehorsamst bemerken wollen, daß die vor so vielen Jahren in Mannheim hinterlassene, und allda befindliche Wittib Lebrun zwar bisher von ihrem Sohne unterhalten worden, bey dessen vorgegan genen Ableben nun mehr aber zu einer Pension aus dortiger Genral-Caßa geeignet sey; weßfalls auch für solche dießorts bey dem jüngsthin untertänigst erstatteten unzielsätzlichen Verteilungs-Antrage der hautb. Lebrunischen Besoldung ad 1500 f, wovon dem höchsten cerario jährl. 900 f heimfallen, kein Gutachten abgegeben wurde.
Eurer Kurfrstlen Durchlaucht stelle ich demnach gehorsamst anheim, ob höchstdieselbe der Mutter des verstorbenen hautb. le Brun einen unmaaßgebigen Gnadengehalt in Mannheim, oder hier aus dem bemerkten Heimfalln ad 300 f mildest zu verleihen, oder aber eine Zulage der Hofsängerinn le Brun, deren Kunst und Ge- schicklichkeit Eurer Kurfrstlen Durchlaucht höchster Einsicht selbst unterworfen, aus besonderen höchsten Gnaden jedoch mit der Bemerkung zufließen zu lassen, gdgst. geruhen wollen, daß sie nach eigenem Antrage ihre Schwiegermutter erhalte.[Die Hofmusik in genere.]
Franziska Lebrun sang nach dem Tode ihres Mannes nur noch zwei Auftritte, zuletzt am 14. Februar 1791, bevor sie am 14. Mai in Berlin starb, „zu frühe für die Kunst; ihre Familie, und alle die, so sie kannten, bedauert von jedermann, beweint von ihren Freunden.”[F. J. Lipowsky, a.a.O.] „Die Trauer über ihren Verlust war allgemein", [G. Schilling, a.a.O] schrieb Schilling 1837.
Franziska Lebrun und Wolfgang Amadeus Mozart
Nicht nur identische Geburts- und Sterbejahre verbinden die Komponistin und den Komponisten. Obschon Wolfgang Amadeus Mozart (und seine Mutter) in engerem Kontakt zur bereits genannten Familie Wendling standen, so hatten doch auch Mozart und Franziska Lebrun mehrfach persönlichen Kontakt miteinander. Bei Mozarts Aufenthalt in Mannheim vom November 1777 bis März 1778 waren die Lebruns in London, jedoch hat Mozart von ihnen reden hören, wie die Briefstelle über die Oper Günther von Schwarzburg zeigt.
Am 29. Juli 1778 schrieb Wolfgang Amadeus Mozart aus Paris nach Mannheim an Fridolin Weber, dass er dessen Tochter Aloysia in diesem Winter leider kein Engagement im Concert Spirituel verschaffen könne.
„weil schon bereits die Mad: Le brun für diese Zeit Engagiert ist - und er [Me. Le gros/Directeur vom Concert Spirituel] wirklich nicht in den besten umständen dermalen ist, um 2 solche personnen nach verdiensten (und wie ich es nicht anderst zuliesse) bezahlen zu können.”[W. A. Mozart: Briefe und Aufzeichnungen, Bd. 2.] (Aloysia Weber war zu diesem Zeitpunkt bereits mit der Familie nach München gegangen, hatte dort eine Anstellung gefunden und war an Mozart eigentlich nicht mehr interessiert.)
Am 10. September 1778 berichtete Leopold Mozart aus Salzburg seinem Sohn in Paris dann vom Umzug der „Mannheimer Musik" nach München und nannte dabei unter den Sängerinnen Mad: Danzy und unter den Oboisten Le Brun.[Ebd]
Am 13. März 1785 müssen sich Wolfgang Amadeus Mozart und die Lebruns im Rahmen einer „großen Akademie" im Wiener Burgtheater begegnet sein. Laut Programmzettel wurde nicht nur Mozarts Kantate Davidde penitente uraufgeführt, sondern es waren auch „eine Arie, gesungen von Madame LeBrun" und „ein Konzert auf der Hautbois, geblasen von Herrn LeBrun”[Brigitte Höft, a.a.O., 66.] zu hören.
Von weiteren Begebenheiten berichtete Leopold Mozart zwischen 1784 und 1786 seiner Tochter nach St. Gilgen: [W. A. Mozart, a.a.O., Bd. 3.]
“(..) dan kam noch Måne. Wallenstein eine Hauptactrice des manheimer Theaters, die wegen einem entstandenen theaterkrieg abgedankt hat, und Genugthuung in München sucht, und als heut debutiert: dann kam die August Wendling, die auch debutiert; folglich war des debutierens fremder und neuer Theaterpersonen kein Ende: da noch obendrein Lebrun und seine Frau eben zu der zeit aus Italien zurückkamen: -- also Sängerinen über Sangerinen, kapellmeister über Capellmeister!" (12.11.1784)
„Du weist, daß man immer in der Erwartung war, wer 2da[2da = Seconda.] Dona werden sollte, da die Lisel Wendling gegen die Mdme: Le Brun keine 2da Donna machen wollte, sonderht: da diesemahl ein gar so nichts bedeutender Part ist mit 2 sehr kurzen schlechten Arietten." (19.11.1784)
„(...) auf den abend aber ist dein Bruder in einem grossen Conzert beym Graf Cizi, wo H: Lebrun und seine Frau sich das erste mahl producieren. (...) H: und Mime Lebrun waren bey uns bis halbe 2 uhr.(...) Mir ist sehr bange, wie es mit der accademie für den Heinrich [Gemeint ist Heinrich Marchand, der Bruder Margarethe Danzis. Margarethe (Gretl") erhielt in Salzburg 1781-1784 Klavier- und Gesangsunterricht bei Leopold Mozart.] gehen wird, erstlich fand ich, daß er, als ich ihn in München hörte, sich mehr verschlechtert, als verbessert hatte: und seine Geige nicht viel taugt. 2tens kommen just des Le Brun 2 accademien vor seiner: die einen erschröcklichen Zulauf haben. kann ich den H: Lebrun dahin bringen, daß er bey des Marchands accademie etwas blässt, so kann die Sache noch gut ausfallen: sonst ists gefährlich, weil die Unkosten sich schon fast auf 200 f belauffen." (21.2.1785)
„Alle Marchandischen empfehlen sich euch, wie auch die Langischen, Brochardischen; - dann Md:™° Durst, - Heppischen, - Tavernier: etc: - v Hofstettischen etc: Dufraisne - Cannabich: Le Brun und sie, - Bologna etc. und wer weis, wer noch alles." (22.2.1786)
„Le Brun und Bologna werden singen. H: Le brun ein neues Hautbois Concert blasen. (...) Den 6 oder 7 gehen Le brun und seine Frau nach Neapel um alda 4 Opern, das jahr durch, zu singen. Sie gehen über Salzb:, um den Erzbischof um Empfeh- lungsSchreiben nach Rom zu bitten: NB Vermuthlich auch in der Hofnung, daß der Erzb: verlangen möchte, daß sie sich producieren möchten. (...) Ich vermuthe fast, daß H: Le Brun und seine Frau [in der Akademie] singen und blasen wird, weil Le Brun beym Erzb: (nach meiner Einleitung) Audienz nehmen, ihn um Briefe bitten und sich NB ohne Intereße antragen wird par Complaisence et Riconnaißence. das würde folglich den 9ten geschehen." (1.3.1786)
„H: Le Brun und sie hab schon vorgestern und gestern erwartet, da sie mir sagten sie wollten Montag oder Dienstag abreisen um über Salzb: nach Neapel zu gehen. Vielleicht kommen sie heute. Sie wird vermutlich singen." (9.3.1786)
Die zitierten Stellen lassen die vielfältigen und engen Verknüpfungen der Musikerinnen und Musiker untereinander erkennen. Eine letzte Meldung stammt vom 4.11.1790 und ist von Wolfgang Amadeus Mozart an seine Frau in Wien gerichtet:
„P.S. Die Grethel ist nun mit der Labrun ihren Bruder verheurathet, heißt also Md.m° Danzi."
Ludwig Finscher[Ludwig Finscher: Mozart und Mannheim, in: Finscher 1992, 75f.] verweist auf einen Briefabschnitt aus Mannheim vom 8.11.1777: „Ich habe nichts als aus dem Kopf gespiellt; und drey Duetti mit violin die ich mein Lebetag niemahlen gesehen, und dessen author ich niemahlen nennen gehört habe.”[W. A. Mozart, a.a.O., Bd. 2.] Sollte es sich, so Finscher,[Finscher 1992, 751., Finscher verlegt allerdings das Druckdatum der Sonaten • Franziska Lebruns auf den Winter 1777/78 vor.] nicht in scherzhafter Formulierung um die Violin-Sonaten KV 301-303 handeln, kann durchaus vermutet werden, es seien Mannheimer Violin- sonaten, vielleicht Franziska Lebruns.

Die Familie
Mit ihrem Mann Ludwig August muss Franziska Lebrun eine tiefe Zuneigung verbunden haben. Beide scheinen fast ausschließlich gemeinsam auf Konzertreise gewesen zu sein, keiner im Schatten des oder der anderen gestanden zu haben. Nie verließen sie den kurfürstlichen Dienst, obschon sie - bei Betrachtung ihrer Reisezeiten - selten genug in Mannheim bzw. München anzutreffen waren. Sicher lag dies nicht nur an der guten Bezah- lung, die Kurfürst Carl Theodor seinen Musikerinnen und Musikern zuges- tand, sondern auch am sie umgebenden sozialen Netz. So gab es neben den bereits genannten Pensionen auch eine Art Witwen- und Waisenfond zur Unterstützung zurückbleibender Angehöriger eines Hofmusikers. Die Orchestermitglieder verbanden gute Freundschaften, die für ein starkes Gemeinschaftsgefühl sorgten und sich z.B. in den engen Wohngemeinschaften, in denen sie über viele Jahre lebten, äußerten. [Vgl. Gabriele Busch-Salmen: ,...auch unter dem Tache die feinsten Wohnungen", ebd., 34L., Bärbel Pelker: Ein „Paradies der Tonkünstler"?, in: Kongressbericht Mannheim 1999.]
Beide Lebruns wurden als äußerst liebenswürdige, angenehme Menschen beschrieben. So heißt es z. B. über das Verhältnis Ludwig August Lebruns zu seinem jahrelangen berühmten Mannheimer Orchesterkollegen Friedrich Ramm in der Allgemeinen Musikalischen Zeitung vom 4. Mai 1808: „Friedlich und traulich waren sie ihren Pfad miteinander gewandelt; sie hatten sich geschätzt, geliebt, waren zu gross, zu vollkommen in ihrer Kunst, als dass tückische Missgunst, der Antheil des mittelmäßigen Talents, es je von ferne gewagt hätte, die Harmonie ihres Lebens zu stören."
Gerber schrieb: „Auch starb mit ihm ein anderes eben so seltenes Künstlertalent: Er war ein sehr angenehmer feiner Mann in Gesellschaft.”[E. L. Gerber, a.a.O., 535.] Und über Franziska Lebrun heißt es bei Gerber: „In ihrem wohlgebildeten Betragen und ihren feinen Sitten soll sie ihren Mann womöglich noch übertroffen haben.” [Ebd., 534.] Auch Schilling lobt ihr „Feines und sittlich gutes Betragen, und daneben auch im Besitze aller jener Geschicklichkeiten und Fertigkeiten, die eine Dame zur angenehmen Gesellschafterin in den höheren Cirkeln machen, wie z.B. fertige Clavierspielerin, graziöse Tänzerin, etc. “[G. Schilling, a.a.O., 337.] Und 1792 schreibt wiedeum Gerber: „Es hat wohl nie ein liebenswürdigeres Ehepaar ein traurigeres Ende erlebt”.[E. L. Gerber: Musikalische Monathsschrift, 22.]
Dass die Kinder des Ehepaar Lebrun bei deren ausgedehnter Konzerttätigkeit wenig Erwähnung fanden, ist schnell einsichtig. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor, die aber wohl mehr oder weniger bei den Großeltern oder anderen Familienmitgliedern aufwuchsen.
Sophie Lebrun, verheiratete Dülken, wurde am 20. Juni 1781 in London geboren, erhielt Elementarunterricht bei dem Münchner Hoftrompeter und Vogler-Schüler Cajetan Knechtl, Klavierunterricht bei Andreas Streicher, Musiktheorie bei Schlott und Gesangsstunden bei ihrem Onkel Franz Danzi. Am 27. Dezember 1799 heiratete sie den Hofclavierinstrumenten-Macher Dülken. Sie genoss einen hervorragenden Ruf als Pianistin und war um 1810 eine wichtige Persönlichkeit im Münchner Künstlerkreis „Harmonie". Meyerbeer, Spohr und Weber machten ihre Bekanntschaft. Ihre Klavierkompositionen blieben unveröffentlicht und sind leider nicht erhalten. Sie starb am 23. Juli 1863 in München.
Rosine Lebrun, verheiratete Stentzsch, wurde am 29. April 1783 in München geboren. Auch sie erhielt Klavierunterricht bei Andreas Streicher und im Gesang bei Franz Danzi. Als dramatische Sängerin feierte sie frühe Erfolge. Nach ihrer Heirat mit dem Hofschauspieler Stentzsch am 3. November 1800 war sie bis zu ihrer Pensionierung 1830 hauptsächlich als Hofschauspielerin in München tätig, wo sie am 5. Juni 1855 starb.
Die Klaviersonaten
Wohl 1780 veröffentlichte Franziska Lebrun sechs Sonaten op.1 für Tasteninstrument (Cembalo/Pianoforte) und Violine. Noch im selben Jahr oder spätestens 1781 erschienen noch einmal sechs Sonaten als op.2 für dieselbe Besetzung. Wann Franziska zu komponieren begann, wer sie dazu anregte, ist nicht bekannt. Doch schrieb sie die Werke wahrschein- lich für den eigenen Bedarf. Sicher verkehrte sie in den Londoner Adels- häusern, sicherlich ließ sie sich nicht nur als Sopranistin, sondern auch als Klavierspielerin hören.
Laut Schubart war sie „zugleich eine elegante Clavierspielerinn und setzte sich für ihr Instrument mehrere Sonaten, die voll schöner Harmonie und innigem Gefühle sind” [Chr. Fr. D. Schubart, a.a.O., 143.] im Baierischen Musik-Lexikon heißt es: „[Die Sonaten] entsprechen ganz der Erwartung von ihrem Geschmacke, und zeigen zugleich, welch vortreffliche Meisterinn sie auch im Klavier- spielen gewesen seye.” [F. J. Lipowsky, a.a.O., 41.]
Interessant ist schon, dass die erhaltenen Kompositionen Franziska Lebruns ausschließlich Klavier- und keine Vokalwerke sind. Vielleicht kann dies wirklich als ein Zeichen ihrer großen Fertigkeiten im Klavierspielen angesehen werden und es bot sich in London einmal die Chance, auch dieser Kunst nachzugehen. Wäre sie wohl u. U. auch Pianistin ge- worden, wenn sie die Möglichkeit dazu gehabt hätte? Vielleicht sind aber auch alle für den persönlichen Bedarf geschriebenen Arien verschollen.
Sonaten für Tasteninstrumente in Begleitung eines oder mehrerer Streich- oder Blasinstrumente erschienen in England (wie auch in den anderen Musikzentren Europas) nach 1750 immer zahlreicher. Am häufigsten ist die Besetzung Klavier und Violine oder Klavier, Violine und Violoncello anzutreffen. Gemäß französischer Praxis der Zeit können einige dieser Sonaten auch auf dem Klavier allein ausgeführt werden. So lautet zum Beispiel der Zusatz zu den 1764 in London fertig gestellten Sonaten KV 10-15 Wolfgang Amadeus Mozarts „qui peuvent se jouer l'accompagnement de Violon, de Flute Traversiere et d'un Violoncelle" Die Begleitstimmen dienen hier eher dazu, den Klavierpart noch deutli- cher hervorzuheben und brillieren zu lassen. Doch nicht immer sind die Streichinstrumente entbehrlich. Zeitweise grenzen sie an obligate Partien. Gerade in Mannheim ist die Kammermusik mit konzertierendem Cembalo oder Hammerklavier eine interessante, sich weiter entwickelnde Gattung. [Vgl. dazu die Arbeiten von Vera Funk (Klavierkammermusik mit Bläsern und Streichern in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, Kassel 1995) und Roderich Fuhrmann.] Beginnend mit zahlreichen Versuchen unterschiedlichster satz- technischer Verbindungen von Solo- und Klavierinstrument reicht sie bis zur Gleichberechtigung beider Instrumente. Franziska Lebrun ist vielen ihrer Zeitgenossen und Zeitgenossinnen (z. B. Stamitz und Eichner, s. u.) in der klanglichen Beteiligung der Violine am musikalischen Geschehen voraus. Selbstständig geführt ist das Streichinstrument jedoch nicht. Ohne Violine sind die Kompositionen zwar satztechnisch korrekt, aber mu- sikalisch unvollständig. Im Unterschied zu ihrem Bruder Franz Danzi ist Franziska deutlich eine Komponistin des 18. Jahrhunderts. Dies gilt auch für die Wahl der geeigneten Tasteninstrumente. Während op.1 im Titel Harpsichord or Piano Forte angibt, ist op.2 für Piano Forte or Harpsihord angegeben. Dies entspricht der Praxis der Zeit. Die Sonaten Franziska Lebruns lassen sich auf beiden Instrumententypen gleichermaßen vorteilhaft darstellen." [gl. das Vorwort zur Neuedition der Sonaten op. 1 (fue 398).]
Mit zwei Ausnahmen sind die Sonaten, die alle in Dur-Tonarten stehen, zweisätzig. Die ersten Sätze stehen jeweils in Sonatensatzform, diese ist aber sehr unterschiedlich und zu Zeiten recht frei gehandhabt. So sind beispielsweise die Formteile des ersten Satzes der sechsten Sonate aus op.2 so miteinander verwoben, dass die Wiederholungen entfallen. Fuhrmann verweist in seiner Untersuchung auf die Ubereinstimmung in Tonartfolge und die Vorliebe für Unisonobeginne und Terzen im zweiten Thema mit dem op.20 von Carl Stamitz [Carl Stamitz: Six sonates for the harpsichord or piano forte, with a violin accompaniment, the sixth for two harpsichords, op.20 (author: Nr. XV), London ca. 1780] und dem op.8 von Ernst Eichner. [Ernst Eichner: Six Sonates pour le Clavecin ou le Forte Piano avec accompagnement d'un Violon et Violoncelle ad libitum, Paris, vermutlich Ende 1772. s4 Siehe Werkverzeichnis.] Von Franziskas musikalischer Mannheimer Herkunft zeugen der auffallend häufige Gebrauch der Anweisung rinforzando, ihre dynamischen, kontrastreichen Themen (z. B. Sonata op.1, Nr. 2 in Es-Dur, 1. Satz oder Sonata op.2, Nr. 1 in D-Dur, 1. Satz) und die umgekehrten Reprisen: Auf das zweite Thema folgen der Hauptsatz und die Schlussgruppe, eine Form, die sich beispielsweise auch in Mozarts 1779 entstandener Symphonie G-Dur, KV 318, wiederfindet. An Wolfgang Amadeus Mozarts Mannheimer Violin-Sonaten erinnern auch die Durchführungen, die nicht mehr aus reinen modulierenden Spielfiguren bestehen, sondern echten Durchführungscharakter besitzen, ebenso wie die klar von einander abgegrenzten Themenabschnitte der Expositionen.
Der zweite Satz steht zumeist in Rondoform. Dies war wohl eine Konzession an den englischen Publikumsgeschmack. Einige der Rondi aus op.2 erschienen auch als Einzeldrucke. Gerade hier wird Franziskas Vorliebe für die italienische kantable Schreibart deutlich. Ein Couplet steht jeweils in der Tonikaparallele oder der gleichnamigen Molltonart. Im Rondo der ersten Sonate aus op.1 gibt es eine Ausweichung in die Subdominante. Ausnahmen bilden die zweite und vierte Sonate aus op.1. Statt des Rondos folgen hier Menuett und Trio.
In ihrer thematischen Ausarbeitung stehen die Sonaten durchaus an der Spitze ihrer Gattung und in der Nähe der Mannheimer Sonaten Mo- zarts. Wie beliebt die Werke Franziska Lebruns waren, zeigt eine Vielzahl von Nachdrucken.
Auch von der Fachpresse wurden die Sonaten freundlich aufgenommen. Carl Friedrich Cramer lobt ausdrücklich op.1 Nr. 3: „Besonders hat die dritte Sonate feurigen Ton und brillante Manier; und setzt schon keinen gemeinen Spieler voraus." [Fr. Cramer: Magazin der Musik, 1783, 914.] Gerber schreibt: „Ihre drey 1783 zu Offenbach gestochenen Klaviersonaten mit 1. Violin, entsprechen der Erwartung von ihrem vortrefflichen Geschmacke und zeigen zugleich, wie sehr sie das Klavier in ihrer Gewalt hat.”[Ernst Ludwig Gerber: Historisch-Biographisches Lexikon der Tonkünstler, 1790-1792, 215.] Ebenfalls bei Gerber heißt es: „Sie war auch eine ganz vorzügliche Klavierspielerin und komponierte für das Klavier mit derselben Feinheit und Naivität, die man an den Sachen ihres Mannes so gern höret." [Ders., Musikalische Monatsschrift, 21f.]
Weitere Werke Franziska Lebruns sind nicht bekannt. Fétis spricht allerdings neben den 1783 in Offenbach publizierten Sonaten von „trios pour piano, violon et basse où il y a de jolies mèlodies et la mérite d'une facture facile. “ [François Joseph Fétis: Biographie universelle des Musiciens, Paris 1866, 242.] Keine weitere Quelle stützt jedoch diese Angabe.
Claudia Schweitzer
Foundation Musick's Monument