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Auf den Spuren der Melsunger Familie Knoppel-Knopfel  (1575 -1721)

Die Familie Knöppel-Knöpfel - der Name kommt auch in Besse vor - war im 17. Jahrhundert in Guxhagen ansässig, schrieb sich nach dem dortigen Kirchenbuch Knöppel oder auch Cnippel, ein Name, den die Nachkommen des Stammvaters der Familie dann in Knöpfel umwandelten. Wie durch die Geschichte der Familie Wittich in Melsungen schon bekannt, hatte die Zugehörigkeit zur Familie Knöpfel eine besondere Bedeutung, weil zwei Nachkommen aus dem Stamm Knöpfel, nämlich der Notar Johannes Reuter aus Kassel und dessen Nichte Ottilia Möller aus Melsungen, eine großzügige Familienstiftung ins Leben gerufen hatten, nach der deren Nachkommen Geldzuwendungen bekommen sollten für ihre Ausbildung, und zwar bei den Männern für ihre Studien und bei den Frauen für ihre Aussteuer, wenn sie heirateten, für insgesamt sieben Jahre. Dies nannte sich Reuter-Knöpfel-Beneficium, die vom Melsunger Landrat noch im 19. Jahrhundert verwaltet wurde. Besonders die Nachkommen des Melsunger Metropolitans Konrad Knöpfel waren zum Empfang der Stiftungsgelder berechtigt und somit auch die Mitglieder der Familien Till und Wittich.
Wenden wir uns nun dem ältesten Knöppel zu! Nach einer alten Melsunger Amtsrechnung ist der älteste Knöppel ein Konrad Knöppel gewesen, der in Guxhagen lebte, dann wird sein Sohn Hermann Knöppel genannt, der 1575 in Melsungen erwähnt wird, aber 1576 wohl wieder nach Guxhagen verzogen ist. Etwas mehr erfahren wir dann von dem in Guxhagen lebenden Andreas Knöppel, wohl ein Enkel des ersten Knöppels, der 1602 geboren wurde und als Büdner oder Büttner, also als Kleinbauer, bezeichnet wird, er soll sich in guten Vermögensverhältnissen befunden haben. Etwa 1630 heiratete er, 1659 hat er drei Kinder, bei sich beschäftigt er einen Dienstjungen und eine Dienstmagd. In Guxhagen stirbt er auch am 26.6.1676 im Alter von 74 Jahren.
Sein ältester Sohn ist der am 20.12.1631 in Guxhagen geborene Konrad Knöpfel, der einen großen Sprung nach vorne macht: er tritt in einen gelehrten Beruf ein. Am 15.11.1651 wird er an der damaligen Universität Kassel immatrikuliert und 1653 dann an der Universität Marburg. Am 27.6.1657 wird er zu Breitenau mit Christine Rüdiger, der am 5.8.1640 in Melsungen geborenen Tochter des Pfarrers von Breitenau, Härtung Rüdiger, getraut. 1659 wird er Adjunkt des Pfarrers Gundelach in Neuenbrunslar, 1660 Pfarrer in Wolfershausen. 1676 kommt er als Nachfolger seines Schwiegervaters Härtung Rüdiger als Metropolitan nach Melsungen. 1691 stirbt seine Ehefrau, und Konrad Knöpfel verheiratet sich zum zweiten Mal, mit Anna Barbara Eißelin am 27.3.1695. Am 16.8.1700 wird er Gevatter bei einem Kind seiner Tochter Katharina Elisabeth, die am 4.3.1700 in Melsungen den Candidaten Johann Heinrich Möller (1676-1718) geheiratet hat. Am 25.9.1700 stirbt Konrad Knöpfel in Melsungen, fast 69 Jahre alt. 1703 stirbt auch seine zweite Frau.
Insgesamt hatte der Metropolitan von seiner ersten Frau elf Kinder. Da ist zunächst Hartmann Knöpfel, 1660 zu Wolfershausen geboren, 1679 an der Universität zu Marburg immatrikuliert, 1692 Pfarrer in Dörnhagen, nach 1709 verstorben.
Sein Bruder Johann Konrad Knöpfel, 1662 zu Wolfershausen geboren, 1680 an der Marburger Universität immatrikuliert, wird Proviantkommissar in der hessischen Festung Rheinfels bei St. Goar, er war mit einer Türkiesin verheiratet, er starb vor 1721.
Es folgt Ottilie Knöpfel, 1664 geboren zu Wolfershausen, sie heiratet am 3.5.1682 in Melsungen Andreas Itter, Vogt zu Merxhausen.
Ihr folgt der etwa 1668 in Wolfershausen geborene Werner Knöpfel, der 1686 Theologie zu Marburg studiert und später Pfarrer zu Liebenau wird.
Ihm folgt Susanne Christine Knöpfel, 1672 geboren, verheiratet in erster Ehe mit Andreas Kornemann, Pfarrer zu Dagobertshausen, und 1699 in zweiter Ehe verheiratet mit Pfarrer Hermann Geißell in Wollrode; sie ist die Urgroßmutter von Stadtschreiber Tills Ehefrau Martha Elisabeth Wittich.
Ihr folgt die 1673 geborene Katharina Elisabeth Knöpfel, die am 4.3.1700 den Candidaten Johann Heinrich Möller in Melsungen heiratet; dieser Ehe entstammen sechs Kinder.
Möller stirbt am 2.5.1718 als Kaplan in Melsungen.

Ihr folgt die 1674 in Wolfershausen geborene Anna Dorothea Knöpfel, die in der Reuter-Knöpfel-Stiftung bedacht wird; sie stirbt nach 1721.

1677 wird in Melsungen Johann Daniel Knöpfel geboren, er stirbt noch im selben Jahr. Sein Gevatter ist Martin Wittich (1644-1716), dessen Grabstein noch heute an der Nordwand des alten Melsunger Friedhofs zu sehen ist.
Ihm folgt der am 15.2.1678 in Melsungen geborene Johann Georg Knöpfel, dessen Gevatter der Bruder des Vaters, Pfarrer Johann Georg Knöpfel aus Dörnhagen, gewesen war, er soll Feldscher (Wundarzt) und Kammerdiener einer Zarin in Moskau gewesen sein.
Ihm folgt der am 13.8.1679 in Melsungen geborene Johann Konrad Knöpfel, dessen Gevatter Schultheiß Konrad Brandau war; über sein weiteres Leben ist nichts bekannt.
Als letztes Kind des Metropolitans Knöpfel wird am 16.3.1682 Katharina Christine Knöpfel in Melsungen geboren, deren Gevatterin die Schwester des Vaters, Katharina Christine Knöpfel, gewesen ist. Dieses Kind stirbt aber schon am 25.2.1684 in Melsungen.
Von weiteren Nachkommen gibt es nur Nachrichten über Kinder von Hartmann, Johann Konrad und Werner Knöpfel.
 
Hartmann Knöpfel hatte neun Kinder, die zwischen 1693 und 1708 geboren wurden, es waren fünf Söhne und vier Töchter.
Johann Konrad Knöpfel soll drei Kinder gehabt haben, die älteste Tochter Anna Gertruda Knöpfel, etwa um 1700 geboren, war verheiratet mit dem Rerservatenkommissar Apold, es soll noch eine jüngere Tochter gegeben haben, deren Vornamen nicht zu finden war wie Julius Till berichtet. Dann kam noch ein Sohn Johann Heinrich Werner Knöpfel, um 1705 geboren, am 7.10.1723 zu Marburg immatrikuliert für Theologie, er soll dann Pfarrer im Clevischen geworden sein, er starb ohne Nachkommen zu hinterlassen.
Werner Knöpfels Kinder waren Johann Konrad Knöpfel, geboren etwa 1704, zu Marburg immatrikuliert am 17.9.1722. Was er dann macht, ist in Vergessenheit geraten, auch er muß ohne Nachkommen gestorben sein.
Eine Tochter muß noch vorhanden gewesen sein, da sie in dem Testament des Kasseler Notars Johannes Reuter als dessen Patin erwähnt wird; auch sie muß ohne Nachkommen gestorben sein.
So verläuft das Leben der Familie Knöpfel, es endet mit einigen Nachfahren, die sich im Hessenlande verlieren, ohne Spuren zu hinterlassen.

Herbert Simon